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Fortschritt - take¹

Dez 2007
16
Wenn man älter wird, so macht man sich zuweilen Gedanken philosophischer Natur, die in unmittelbaren Zusammenhang mit den jahreszeitlichen, kulturellen oder politischen Strömungen der aktuellen Zeit stehen mögen. Man stolpert eines Morgens über diesen oder jenen Satz, sieht ein Bild, festigt und verwirft oder überprüft Standpunkte.

Es gibt ein Aquarellbild von Paul Klee, ein Portrait eines Engels, mit dem schönen Namen: Angelus Novus. Kurz vor seinem Tod schrieb Walter Benjamin in Theses on the Philosophy of History - Über den Begriff der Geschichte:

Angelus Novus

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.



Allerdings nimmt dieser Fortschritt in der heutigen Zeit Ausmaße an, die schon Manchen zur Flucht vor dieser Art Sturm veranlassen. Das Forum auf heise.online, jenem kleinen IT Verlag in der norddeutschen Tiefebene, der sich mit penetranter Hartnäckigkeit immer wieder dem Thema der zunehmenden und schleichenden Verschärfung der Befugnisse unserer Sicherheitsbehörden widmet, ja dieses Forum schreit förmlich davon, dass hier Grenzlinien überschritten werden, die aus bisher Unbescholtenen mit ihren kleinen privaten Geheimnissen potentielle Dunkelmänner, Ausspionierte, ja quasi generell Verdächtige machen.

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Oh Europa!

Jun 2007
23

SEUFZ !*** Nur mal eine kurze Zusammenfassung....

  • Noch 10 Jahre Stillstand: Annähernde Mehrheitsentscheidungen erst ab 2017! (“Kompromiss von Ioannina”)
  • Ein Europa der zwei Geschwindigkeiten: Kriechen oder Rückwärtsgehen ist da wohl die schnellere!
  • Großbritannien feiert Ausnahme-Weihnachten: Margaret Thatcher läßt grüßen!

DAS kann man doch wohl NICHT als echten Erfolg verkaufen...!

Ich würde sagen: Europäische Einigung erfolgreich verhindert! Einen herzlichen Dank an die Herren Kaczynski und Blair!

Jetzt gibt es natürlich erst einmal eine EU-Regierungskonferenz, die die neuen EU-Grundlagenverträge im Detail ausformulieren soll. Die letzte ‘Solche’ dauerte 9 Monate. Dann erst erfolgen eventuelle Ratifizierungen.... Die Beschlüsse, soweit wirklich welche positiv erkennbar sind, werden dann ab 2009 gelten. (siehe oben!)


KANN EIN ESEL TRAGISCH SEIN?

Dez 2005
18
– Daß man unter einer Last zu Grunde geht, die man weder tragen, noch abwerfen kann? ... Der Fall des Philosophen." (Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung)

Oder anders:

“Der alte graue Esel, I-Ah, stand allein in einem distelbewachsenen Winkel des Waldes, die Vorderbeine gespreizt, den Kopf auf eine Seite gelegt, und dachte über alles nach. Manchmal dachte er traurig bei sich: Warum?, und manchmal dachte er: Wozu?, und manchmal dachte er: Inwiefern? -, und manchmal wußte er nicht so recht, worüber er nachdachte.” (Alan Alexander Milne, Pu der Bär, Übersetzung: Harry Rowohlt)

Daß dieser Esel hochgradig gefährdet ist, ist offensichtlich. Was bleibt ihm, um dieser Gefahr zu entgehen? Die wahren Esel meinen: nur das Denken. Und da sie dennoch wissen, daß es nichts als ebendieses war, was sie in ihre Malaise hineinbugsiert hat, denken und proklamieren sie allgemein, daß die Hinausbugsierung nichts anderes leisten kann als das sich denkend selbst abschaffende Denken.

Schafft das Denken sich also nicht selbst ab, bleibt aber das o.g. Problem bestehen. Die bekanntesten Auswege daraus sind Dogmatismus und Zynismus. Oder aber, als dessen notwendige Kritik, die postmoderene Variante des lachenden Dritten, die allzuoft mit der Art des Zugriffs auf die gegebene Sache auch diese selbst, ohne es selbst zu merken, verloren gibt. Die lachende Magd substituiert den Philosophen, ersetzt nicht seine Arbeit, und wer anderes behauptet ist entweder selbst Magd oder doch wieder Zyniker. Ihre Arbeit hätte, um auf sie heute sich berufen zu dürfen, sein sollen, den Philosophen selbst zum lachen zu bringen (worauf er, meinetwegen, wer diese Pointe braucht, soll sie haben, in den Brunnen fiel). Womit schon wieder [...] die Frage gestellt ist, wie es heute möglich ist, kritisch und dennoch nicht zynisch zu denken.
Gefunden unter: Theater & co. im Ruhrgebiet - Ausgabe 13
http://www.kulturserver.de/cgi-bin/view_korrespondent?id=584



Oder man hat einen Freund.
Wie Eeyore Winnie the Pooh:
In Harry Rowohlts mehr als kongenialer Übersetzung
lautet dieses Puh-Gedicht:
Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie.
A fly can´t bird, but a bird can fly.
Ask me a riddle and I reply:
Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie.

Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie,
A fish can´t whistle and neither can I.
Ask me a riddle and I reply:
Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie.

Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie,
Why does a chicken, I don´t know why.
Ask me a riddle and I reply:
Cottleston, Cottleston, Cottleston Pie.
Fragen, Fragen, immer nur Fragen.
Es kann der Käfer den Specht nicht ertragen.
Gib mir ein Rätsel auf; ich werde sagen:
’Da mußt du jemand anders fragen’.

Fragen, Fragen, immer nur Fragen.
Ein Fisch kann nicht pfeifen, und ich kann nicht klagen.
Gib mir ein Rätsel auf; ich werde sagen:
’Da mußt du jemand anders fragen’.

Fragen, Fragen, immer nur Fragen.
unsichtbar wird der Honig im Magen
Gib mir ein Rätsel auf; ich werde sagen:
’Da mußt du jemand anders fragen’.